SolaX Binary im Detail: Die Wallbox, die das E-Auto zum Speicher macht

Schematische Titelgrafik: Haus mit Solardach, Wallbox und E-Auto, Pfeile in beide Richtungen

Ein E-Auto hat oft einen Akku mit 50 bis 80 Kilowattstunden. Das ist ein Vielfaches eines üblichen Heimspeichers, und meist steht das Auto ohnehin die meiste Zeit in der Einfahrt. Liegt es da nicht nahe, diesen Akku auch für das Haus zu nutzen? In unserer Reihe „SolaX im Detail“ sehen wir uns die bidirektionale Wallbox der SolaX-Binary-Serie an: wie sie technisch arbeitet, was sie leisten kann und wo die Grenzen liegen.

Was ist die Binary-Serie?

Die Binary-Serie (Modellbezeichnung BRY-A22D7) ist eine Wallbox, die zwei Richtungen beherrscht. Sie lädt ein Elektroauto ganz normal mit Wechselstrom, wahlweise ein- oder dreiphasig mit 1,4 bis 22 Kilowatt. Und sie kann Energie aus dem Auto zurück ins Haus holen. SolaX hat das System im Juni 2026 auf der Fachmesse Intersolar Europe in München vorgestellt und bezeichnet es als „AC-seitige V2H-Lösung“.

Das Besondere ist nicht, dass die Wallbox Strom zurückholt, sondern wie. Dafür lohnt ein Blick auf die Abkürzungen, die beim bidirektionalen Laden herumschwirren.

Kurz erklärt: V2L, V2H und V2G

V2L („Vehicle-to-Load“, Fahrzeug an Verbraucher): Das Auto stellt über einen Adapter an der Ladebuchse eine normale Steckdose bereit, etwa für einen Grill oder ein Werkzeug. Dafür wandelt der Bordlader, also das eingebaute Ladegerät des Autos, den Gleichstrom aus dem Akku in 230-Volt-Wechselstrom um.
V2H („Vehicle-to-Home“, Fahrzeug ans Haus): Das Auto versorgt die Hausinstallation mit.
V2G („Vehicle-to-Grid“, Fahrzeug ans Netz): Das Auto speist sogar ins öffentliche Stromnetz zurück.

So funktioniert das Entladen

Viele bidirektionale Ladekonzepte setzen auf Gleichstrom: Die Wallbox greift dabei direkt auf die Hochvolt-Batterie des Autos zu. Das erfordert eine aufwendige Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladestation, und bislang geben nur wenige Autohersteller ihre Fahrzeuge dafür frei.

Die Binary-Serie geht nach den Herstellerangaben einen anderen Weg. SolaX beschreibt sie als Lade- und Entladelösung für Fahrzeuge mit V2L-Funktion. Diese Funktion ist inzwischen bei vielen aktuellen E-Autos an Bord. Aus Datenblatt und Pressemitteilung ergibt sich folgender Ablauf:

  1. Das Auto gibt Wechselstrom ab. Sein Bordlader arbeitet „rückwärts“ und erzeugt aus der Akku-Energie Wechselstrom, so wie bei einer V2L-Steckdose.
  2. Die Wallbox wandelt in Gleichstrom um. Laut Datenblatt liefert sie auf der Hausseite Gleichstrom mit rund 400 Volt und bis zu 7 Kilowatt (bei mehr als 350 Volt). Dieser Ausgang wird an einen kompatiblen SolaX-Hybrid-Wechselrichter angeschlossen.
  3. Der Wechselrichter versorgt das Haus. Er behandelt die Energie aus dem Auto ähnlich wie die aus einem Speicher und verteilt sie an die Verbraucher im Haus.
Schema: Beim Laden fließt Wechselstrom vom Haus über die Binary-Wallbox ins Auto; beim Entladen gibt das Auto Wechselstrom ab, die Wallbox liefert Gleichstrom an den SolaX-Hybrid-Wechselrichter, der das Haus versorgt
Laden und Entladen mit der SolaX-Binary-Wallbox, vereinfacht nach Herstellerangaben. Grafik: PVPOWER.ME

SolaX betont, dass Laden und Entladen technisch voneinander getrennt sind. Zudem stimmen Auto, Wallbox und Wechselrichter die Entladeleistung so ab, dass die Grenzen eingehalten werden, die das Fahrzeug vorgibt. Der Hersteller formuliert es so: Die Autobatterie werde nicht als „unrestricted energy source“ behandelt, also nicht als unbegrenzte Energiequelle.

Warum dieser Umweg sinnvoll sein kann

Auf den ersten Blick wirkt die doppelte Umwandlung umständlich: Gleichstrom im Akku wird zu Wechselstrom im Auto, dann wieder zu Gleichstrom in der Wallbox und schließlich zu Wechselstrom im Haus. Jede Umwandlung kostet etwas Energie. Der Ansatz hat aber einen praktischen Vorteil: Das Auto muss dafür keine spezielle Freigabe für Gleichstrom-Rückspeisung haben, eine vorhandene V2L-Funktion genügt grundsätzlich. Und die Verbindung zum Hausnetz übernimmt der Wechselrichter, der dafür ohnehin ausgelegt und am Netz angemeldet ist.

Das passt zu einem Hinweis des ADAC. Der Automobilclub hat V2L bei sechs aktuellen E-Autos getestet und betont in seiner Auswertung: Wer ein Haus oder Teile der Hausinstallation per V2L versorgen will, braucht geprüfte Schutzmaßnahmen und eine Elektrofachkraft. Ein Verlängerungskabel vom Auto in den Sicherungskasten ist keine Lösung. Ein System wie die Binary-Serie, bei dem der Wechselrichter die Hausversorgung übernimmt, ist genau für diesen Zweck konstruiert.

Die technischen Daten im Überblick

MerkmalWert laut Hersteller
ModellSolaX Binary-Serie, BRY-A22D7
Laden (Wechselstrom)1,4 bis 22 kW, 6 bis 32 A, 230 V einphasig oder 400 V dreiphasig, automatische Phasenumschaltung
Entladen (Gleichstrom zum Wechselrichter)400 V, 17,5 A, bis 7 kW (bei mehr als 350 V)
Wirkungsgrad beim Entladenmindestens 95,3 % bei 50 % Last, mindestens 94,3 % darüber
Kompatible Wechselrichterzum Start X1-VAST und X3-HYB-G4 PRO, X3-ULTRA angekündigt
Abstand Wallbox–Wechselrichterbis 50 m; ab 20 m ist laut Datenblatt eine Zusatzbox (BRY-MBOX) nötig
Anschluss am AutoTyp-2-Ladekabel, 6,5 m fest angeschlagen
KommunikationWLAN, Ethernet, RS485, CAN; OCPP 1.6J, Modbus TCP/RTU
ZugangRFID-Karte, App, Taster, Plug & Charge
Fehlerstromüberwachungintegriert, 30 mA AC und 6 mA DC
SchutzartIP54 (Spritzwasser), IK10 (Schlagfestigkeit); innen und außen
Betriebstemperatur−30 bis +50 °C, Entladeleistung wird ab 43 °C reduziert
Gewicht / Maße16,5 kg; 376 × 562 × 128 mm (B × H × T)

Die Wallbox ist mit 16,5 Kilogramm deutlich schwerer als eine reine Ladestation. Das liegt am eingebauten Leistungsteil für die Umwandlung in Gleichstrom, das beim Entladen aktiv mit Luft gekühlt wird. SolaX gibt dafür bis zu 54 dB(A) in einem Meter Abstand an, beim Laden arbeitet sie geräuschlos.

7 Kilowatt auf dem Papier: Was wirklich fließt

Die 7 Kilowatt aus dem Datenblatt sind die Obergrenze der Wallbox. Wie viel tatsächlich ins Haus fließt, bestimmt das Auto. Das schreibt auch SolaX ausdrücklich: Die tatsächliche Lade- und Entladeleistung hängt von der Fahrzeugseite ab.

Einen Anhaltspunkt liefert der erwähnte ADAC-Test. Die geprüften Fahrzeuge gaben über ihre V2L-Adapter dauerhaft zwischen 2,7 und 3,7 Kilowatt ab. Ein Modell ließ kurzzeitig mehr zu. Außerdem verbrauchten die Autos im V2L-Betrieb selbst 390 bis 500 Watt für Bordelektronik und Bordlader. Ob ein Fahrzeug an der Binary-Wallbox mehr Leistung abgibt als an einem Steckdosenadapter, hängt vom Modell ab. Eine offizielle Liste der freigegebenen Fahrzeuge hat SolaX bislang nicht veröffentlicht, die Rede ist von „gängigen V2L-Modellen“.

Balkendiagramm: maximale Entladeleistung der Wallbox 7 kW, V2L-Dauerleistung der Autos im ADAC-Test 2,7 bis 3,7 kW, Eigenverbrauch der Autos 0,39 bis 0,5 kW
Die Wallbox könnte bis 7 kW abgeben – wie viel tatsächlich fließt, bestimmt das Auto. Grafik: PVPOWER.ME

Für die Praxis heißt das: Für den Grundbedarf eines Einfamilienhauses am Abend und in der Nacht, also Kühlschrank, Licht, Router, Heizungspumpe, Fernseher und gelegentlich die Waschmaschine, reichen 3 Kilowatt in den meisten Fällen aus. Zugleich zeigt der Eigenverbrauch, dass sich das Entladen bei sehr kleinen Lasten kaum lohnt. Wer um drei Uhr nachts nur 200 Watt braucht, verbraucht im Auto womöglich mehr für den Betrieb des Bordladers als im Haus ankommt. Hier ist ein Heimspeicher klar im Vorteil, und eine gute Steuerung sollte das Auto vor allem für größere Verbrauchsblöcke einsetzen.

Notstrom aus dem Auto

Laut Datenblatt unterstützt die Binary-Serie den sogenannten Schwarzstart. Gemeint ist, dass die Anlage nach einem Stromausfall auch dann wieder anlaufen kann, wenn kein Netz und keine geladene Hausbatterie zur Verfügung stehen. Die Autobatterie dient dann als Energiequelle. Die Notstromversorgung selbst übernimmt wie gewohnt der Hybrid-Wechselrichter: Sein Notstromausgang schaltet bei einem Netzausfall in weniger als 10 Millisekunden um. Mit der SolaX EPS Box für das ganze Haus dauert die Umschaltung etwa 0,5 Sekunden. Mehr dazu auf unserer Seite Notstrom mit SolaX.

Gerade in diesem Szenario spielt die Größe des Autoakkus ihre Stärke aus. Ein Heimspeicher mit 10 Kilowattstunden bringt einen sparsamen Haushalt meist über eine Nacht. Ein zu zwei Dritteln geladenes E-Auto kann ein Vielfaches davon beisteuern. Wie viel Reserve im Auto bleiben soll, damit es am nächsten Morgen noch fahrbereit ist, legen Sie in der App fest.

Zusammenspiel mit PV-Anlage und Speicher

Beim Laden verhält sich die Binary-Wallbox wie eine moderne Solar-Wallbox. Sie kann ausschließlich mit PV-Überschuss laden und schaltet dabei automatisch zwischen ein- und dreiphasigem Betrieb um. Ab 1,4 Kilowatt kann so auch bei wenig Sonne geladen werden. Wie diese Regelung im Detail funktioniert, haben wir in unserem Beitrag zum PV-Überschussladen erklärt.

Heimspeicher und Wallbox werden in derselben App verwaltet. Dort sehen Sie die Energieflüsse und legen Zeitfenster für Laden und Entladen fest, zum Beispiel „mittags laden, abends ab 18 Uhr das Haus versorgen“. Wer zusätzlich Wärmepumpe und weitere Verbraucher koordinieren möchte, kann einen Energiemanager wie den SolaX XHub ergänzen.

Was ist noch offen?

  • Fahrzeugliste: Welche Modelle mit der Binary-Wallbox entladen dürfen, ist noch nicht öffentlich dokumentiert. Das muss vor dem Kauf für Ihr Auto geprüft werden.
  • Bedingungen des Autoherstellers: Klären Sie, ob Ihr Autohersteller für die regelmäßige Entnahme über V2L Vorgaben macht, etwa in den Garantiebedingungen für den Akku.
  • EU-Normpflicht ab 2027: Für private Ladepunkte, die ab dem 1. Januar 2027 errichtet werden, verlangt die EU die Kommunikationsnorm ISO 15118-20 (siehe unseren Beitrag Neue Wallbox ab 2027). Das aktuelle Datenblatt (Version 1.2) nennt als Kommunikationsnorm IEC 61851-1. Wie SolaX die neue Anforderung für die Binary-Serie umsetzt, ist noch nicht veröffentlicht. Bei einer Installation im kommenden Jahr sollte das in der Planung geklärt werden.
  • Abrechnung: Solange die Energie aus dem Auto nur im eigenen Haus verbraucht wird, handelt es sich um Eigenverbrauch. Für Fragen zur Rückspeisung ins Netz und zur Abrechnung nach den neuen MiSpeL-Regeln verweisen wir auf unseren Beitrag MiSpeL: Heimspeicher und E-Auto. Steuerliche Fragen sollten im Einzelfall geprüft werden.

Was bedeutet das für Sie?

Die Binary-Serie ist vor allem für Haushalte interessant, die bereits eine SolaX-Hybridanlage mit kompatiblem Wechselrichter planen oder betreiben, deren E-Auto eine V2L-Funktion hat und das häufig zu Hause steht, etwa bei Homeoffice oder als Zweitwagen. Dann wird das Auto zu einem großen, zusätzlichen Speicher für den Abend und zu einer Reserve für den Stromausfall.

Realistisch sollten Sie mit rund 3 Kilowatt Entladeleistung rechnen, nicht mit 7. Ein Heimspeicher wird dadurch nicht überflüssig: Er arbeitet effizienter bei kleinen Lasten, ist immer verfügbar und fährt nicht weg. Sinnvoll ist das Zusammenspiel beider. Prüfen Sie vor einer Entscheidung, ob Ihr Fahrzeug unterstützt wird, und ob die Wallbox zum Installationszeitpunkt die dann geltenden Normen erfüllt.

Wenn Sie wissen möchten, ob sich Ihr E-Auto und Ihre Anlage für bidirektionales Laden eignen, finden Sie auf unserer Seite Wallbox & Energiemanagement weitere Informationen, oder Sie fordern ein unverbindliches Angebot an.

Quellen

  • SolaX Power: Datenblatt „Binary series Smart AC EV Charger BRY-A22D7“, Version 1.2, solaxpower.com (abgerufen am 13.10.2026)
  • SolaX Power: „SolaX Introduces AC-Side V2H System at Intersolar Europe 2026“, Pressemitteilung, 23.06.2026, solaxpower.com
  • SolaX Power: Produktseite Binary Series, solaxpower.com (abgerufen am 13.10.2026)
  • pv magazine international: „SolaX introduces AC-side V2H system at Intersolar Europe 2026“ (gesponserter Beitrag von SolaX), 01.07.2026, pv-magazine.com
  • ADAC: „Elektroauto als Powerbank: Ist Vehicle-to-Load sicher?“, 15.09.2026, adac.de
  • SolaX Power: Produktseite X1-VAST, solaxpower.com