PV-Überschussladen: So tankt das E-Auto Sonnenstrom vom Dach

Stilisierte Grafik: Haus mit Solarmodulen auf dem Dach, Wallbox an der Hauswand und ein E-Auto am Ladekabel unter der Sonne

Wer eine Photovoltaikanlage und ein E-Auto besitzt, möchte das Auto möglichst mit eigenem Sonnenstrom laden. Genau das leistet das sogenannte PV-Überschussladen: Die Wallbox lädt nur mit dem Strom, den das Haus gerade nicht selbst braucht. Wir erklären, wie die Regelung technisch funktioniert, warum bei wenig Sonne eine 6-Ampere-Grenze entscheidend ist und welche Regeln Sie bei Anmeldung und Netzbetreiber kennen sollten.

Die Grundidee: Laden statt einspeisen

Eine PV-Anlage liefert ihren Strom zuerst an die Geräte im Haus. Was übrig bleibt, der Überschuss, fließt normalerweise ins öffentliche Netz und wird dort mit der Einspeisevergütung bezahlt. Diese Vergütung liegt bei neuen Anlagen deutlich unter dem Preis, den Sie für Strom aus dem Netz bezahlen. Jede Kilowattstunde, die Sie selbst nutzen statt einzuspeisen, ist deshalb in der Regel mehr wert.

Seit dem Solarspitzengesetz, das im Februar 2025 in Kraft trat, kommt ein weiterer Punkt hinzu: Neue Anlagen erhalten in Stunden mit negativen Strompreisen an der Börse keine Vergütung, und kleine Neuanlagen ohne intelligentes Messsystem dürfen nur 60 Prozent ihrer Modulleistung einspeisen. Der Bundestag berät derzeit zudem eine EEG-Novelle, die für neue Dachanlagen weitere Einschränkungen vorsieht. Sie ist noch nicht beschlossen, die Details können sich also ändern (siehe unseren Beitrag EEG-Novelle im Bundestag). Die Richtung ist aber klar: Solarstrom selbst zu nutzen, gewinnt an Bedeutung. Ein E-Auto ist dafür ein besonders großer „Stromschlucker“, dessen Akku meist ein Vielfaches eines Heimspeichers fasst.

So funktioniert die Regelung

Eine Wallbox weiß zunächst nicht, wie viel Sonnenstrom gerade übrig ist. Sie braucht dazu einen Messwert. Beim Überschussladen misst ein Zähler am Netzanschlusspunkt, also dort, wo das Haus mit dem öffentlichen Netz verbunden ist, ob gerade Strom ins Netz fließt oder aus dem Netz bezogen wird. Diese Information landet beim Wechselrichter oder einem Energiemanager, der daraus die erlaubte Ladeleistung berechnet und sie an die Wallbox weitergibt.

Schema: PV-Anlage liefert über den Wechselrichter Strom ins Hausnetz; zuerst wird der Haushalt versorgt, der Überschuss fließt zur Wallbox und ins E-Auto, nur der Rest ins Stromnetz. Ein Energiemanager misst am Netzanschluss und gibt der Wallbox den Ladestrom vor.
Der Regelkreis beim PV-Überschussladen: messen, Ladestrom anpassen, erneut messen.

Das Ganze ist ein Regelkreis: Die Regelung misst, passt den Ladestrom an und misst erneut, typischerweise im Abstand weniger Sekunden. Schaltet im Haus jemand den Wasserkocher ein, sinkt der Überschuss, und die Wallbox nimmt ihre Leistung zurück. Zieht eine Wolke vorbei, geschieht dasselbe. Scheint die Sonne wieder voll, darf das Auto mehr Strom aufnehmen.

Wichtig zu wissen: Die Wallbox gibt dem Auto nicht Watt vor, sondern einen maximalen Ladestrom in Ampere. Das geschieht über ein genormtes Signal auf der Kommunikationsleitung des Ladekabels (Norm IEC 61851). Das Ladegerät im Auto, der sogenannte Bordlader, hält sich dann an diese Grenze.

Kurz erklärt: Ein- und dreiphasig laden

Der Hausanschluss in Deutschland hat drei „Phasen“, also drei stromführende Leiter mit jeweils 230 Volt. Eine Wallbox kann über eine Phase laden (einphasig) oder über alle drei gleichzeitig (dreiphasig). Die Leistung ergibt sich vereinfacht aus Spannung × Strom × Anzahl der Phasen. Bei 16 Ampere sind das einphasig rund 3,7 kW, dreiphasig rund 11 kW. Nach der Ladenorm darf der Ladestrom nicht unter 6 Ampere liegen, sonst startet oder läuft die Ladung nicht.

Die 6-Ampere-Hürde

Aus dieser Mindestgrenze folgt das zentrale Problem beim Überschussladen. Dreiphasig bedeuten 6 Ampere auf jeder Phase schon rund 4,1 kW. Liefert die Anlage weniger Überschuss, müsste die Wallbox die fehlende Leistung aus dem Netz ziehen oder die Ladung pausieren. Gerade im Frühjahr, im Herbst, morgens und nachmittags ist das häufig der Fall.

BetriebsartMindestens (6 A)Bei 16 AHinweis
Einphasigca. 1,4 kWca. 3,7 kWEinphasige Ladeeinrichtungen sind laut Anschlussregel VDE-AR-N 4100 auf 4,6 kVA je Phase begrenzt
Dreiphasigca. 4,1 kWca. 11 kWMit 32 A bis 22 kW möglich, dann aber zustimmungspflichtig

Die Lösung ist die automatische Phasenumschaltung: Reicht der Überschuss nicht mehr für dreiphasiges Laden, schaltet die Wallbox auf eine Phase um und kann dann schon ab etwa 1,4 kW weiterladen. Steigt der Überschuss wieder, wechselt sie zurück auf drei Phasen. Die Grafik zeigt schematisch, wie das über einen Tag mit einigen Wolken aussehen kann.

Diagramm eines Beispieltags: grau der PV-Überschuss, gelb die Ladeleistung der Wallbox, die dem Überschuss folgt; gestrichelte Linien markieren die Mindestleistungen 1,4 kW einphasig und 4,1 kW dreiphasig.
Schematischer Beispieltag (keine Messwerte): Unter 4,1 kW schaltet die Wallbox auf einphasig, unter 1,4 kW pausiert sie.

Damit die Wallbox bei jedem Wolkenschatten nicht hektisch hin- und herschaltet, arbeiten gute Regelungen mit einer Hysterese, also mit etwas Abstand zwischen Ein- und Ausschaltschwelle, und mit kurzen Wartezeiten. Das schont die Schaltrelais in der Wallbox und das Ladegerät im Auto. Der Preis dafür: In schnell wechselndem Wetter wird ein kleiner Teil des Überschusses trotzdem eingespeist oder etwas Netzstrom bezogen.

Das Auto redet mit

Wie gut Überschussladen funktioniert, hängt auch vom Fahrzeug ab. Manche Bordlader laden nur einphasig oder zweiphasig, andere erst ab einem höheren Strom. Einige Fahrzeuge reagieren empfindlich auf häufige Pausen oder Phasenwechsel und beenden die Ladung dann ganz. Welche Leistungen Ihr Auto tatsächlich annimmt, steht im Datenblatt oder in der Betriebsanleitung und sollte vor der Planung geklärt werden.

Speicher, Auto, Wärmepumpe: Wer bekommt den Strom zuerst?

Haben Sie zusätzlich einen Batteriespeicher oder eine Wärmepumpe, konkurrieren mehrere Verbraucher um denselben Überschuss. Ein Energiemanagement legt deshalb Prioritäten fest, zum Beispiel:

  • Speicher zuerst: sinnvoll, wenn das Auto tagsüber meist unterwegs ist und der Speicher den Abendverbrauch decken soll.
  • Auto zuerst: sinnvoll, wenn das Auto mittags zu Hause steht, der Speicher klein ist oder am nächsten Morgen eine längere Fahrt ansteht.
  • Wärmepumpe über SG-Ready: Eine Wärmepumpe mit SG-Ready-Schnittstelle (einem genormten Steuereingang) kann bei Überschuss Warmwasser oder Pufferspeicher etwas stärker aufheizen.

Bei SolaX übernimmt diese Koordination je nach Anlage der Hybrid-Wechselrichter mit Zähler oder der Energiemanager SolaX XHub. Die Wallbox SolaX Smart EV Charger G2 bietet drei Lademodi: „Fast“ lädt mit voller Leistung unabhängig von der Sonne. „Eco“ passt die Leistung laufend an den Überschuss an, hält aber eine gewählte Mindeststromstärke und ergänzt fehlende Leistung aus dem Netz. „Green“ ist der eigentliche Überschussmodus. Laut Handbuch kann er so eingestellt werden, dass ausschließlich Solarstrom genutzt wird. Die dreiphasigen Modelle schalten dabei automatisch auf eine Phase um, sodass ab etwa 1,4 kW geladen werden kann. Mehr zu den Geräten finden Sie auf unserer Seite Wallbox & Energiemanagement.

Welche Regeln gelten?

  • Anmeldung: Jede Wallbox muss vor der Inbetriebnahme beim Netzbetreiber angemeldet werden (§ 19 Niederspannungsanschlussverordnung). Ladeeinrichtungen über 12 kVA, praktisch also 22-kW-Wallboxen, brauchen zusätzlich seine Zustimmung.
  • § 14a EnWG: Wallboxen mit mehr als 4,2 kW, die seit dem 1. Januar 2024 in Betrieb gehen, gelten als „steuerbare Verbrauchseinrichtung“. Der Netzbetreiber darf ihre Leistung bei drohender Überlastung vorübergehend drosseln, garantiert aber mindestens 4,2 kW. Im Gegenzug gibt es ein reduziertes Netzentgelt, wahlweise als Pauschale (Modul 1) oder als prozentuale Reduzierung mit separatem Zähler (Modul 2). Seit April 2025 kann Modul 1 mit zeitvariablen Netzentgelten (Modul 3) kombiniert werden.
  • Netzstrom im Speicher oder Auto: Ab 1. Oktober 2026 sollen neue Regeln der Bundesnetzagentur („MiSpeL“) gelten, wenn Speicher und Ladepunkte gemischt mit Solar- und Netzstrom betrieben werden. Details erklären wir in unserem Beitrag zu MiSpeL.

Welche Variante für Sie günstiger ist, hängt von Ihrem Netzbetreiber und Ihrem Verbrauch ab und sollte im Einzelfall geprüft werden.

Realistisch bleiben: Die Jahreszeit entscheidet

Überschussladen ist ein Sommerthema mit guten Übergangszeiten. Von etwa April bis September bleibt an sonnigen Tagen oft genug Leistung für mehrere Stunden Laden übrig. Im Oktober werden die Tage kürzer und der Sonnenstand flacher, im Winter reicht der Überschuss meist nur für kurze Ladefenster oder gar nicht, weil das Haus den Solarstrom selbst verbraucht. Wer darauf angewiesen ist, jeden Morgen mit vollem Akku loszufahren, wird in den dunklen Monaten auch Netzstrom laden. Das ist kein Mangel der Technik, sondern Physik.

Ein zweiter Punkt ist die Anwesenheit des Autos: Überschuss entsteht vor allem zwischen spätem Vormittag und Nachmittag. Steht das Auto dann beim Arbeitgeber, lädt es nicht zu Hause. Besonders gut passt Überschussladen deshalb für Haushalte mit Homeoffice, Zweitwagen oder flexiblen Arbeitszeiten.

Was bedeutet das für Sie?

  • Beim Kauf der Wallbox auf Überschussladen mit automatischer Phasenumschaltung achten. Ohne Umschaltung beginnt dreiphasiges Laden erst bei gut 4 kW Überschuss.
  • Die Kommunikation klären: Wallbox, Wechselrichter und Zähler müssen zusammenarbeiten. Bei Systemen aus einer Hand ist das meist einfacher einzurichten.
  • Das eigene Auto prüfen: Wie viele Phasen nutzt der Bordlader, ab welchem Strom lädt er zuverlässig?
  • Prioritäten festlegen: Speicher, Auto oder Wärmepumpe? Das lässt sich in der App meist nach Alltag und Jahreszeit anpassen.
  • Formales nicht vergessen: Anmeldung beim Netzbetreiber, § 14a-Steuerbarkeit und Wahl des Netzentgelt-Moduls gehören zur Planung.
  • Bestehende Anlage? Auch eine vorhandene PV-Anlage lässt sich meist nachträglich um eine überschussfähige Wallbox und einen passenden Zähler ergänzen.

Wenn Sie wissen möchten, wie sich Überschussladen in Ihre Anlage einbinden lässt, schauen Sie gern auf unserer Seite zur SolaX-Wallbox vorbei oder fordern Sie ein unverbindliches Angebot an.

Quellen

  • Steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG, Bundesnetzagentur, abgerufen 26.09.2026: bundesnetzagentur.de
  • FAQ Wallbox (Anmeldung und Zustimmung, § 19 NAV), Bundesnetzagentur, abgerufen 26.09.2026: bundesnetzagentur.de
  • Hinweis: Anforderungen für den symmetrischen Anschluss und Betrieb nach VDE-AR-N 4100, VDE FNN, Dezember 2019: vde.com (PDF)
  • FAQ Solarspitzengesetz, Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar), abgerufen 26.09.2026: solarwirtschaft.de
  • Wallbox anmelden, ADAC, abgerufen 26.09.2026: adac.de
  • Smart EV Charger G2, Produktseite, SolaX Power: solaxpower.com
  • X1/X3-HAC User Manual (Lademodi Fast, Eco, Green), SolaX Power: solaxpower.com (PDF)