Wallbox, Wärmepumpe, Batteriespeicher und PV-Anlage – in vielen Häusern arbeiten heute mehrere große Stromverbraucher und -erzeuger nebeneinander. Damit sie nicht gegeneinander, sondern miteinander laufen, braucht es eine zentrale Steuerung. In unserer Reihe „SolaX im Detail“ sehen wir uns den Energiemanager SolaX XHub an: wie er aufgebaut ist, was er technisch kann und warum er seit den neuen Regeln nach § 14a EnWG für viele Haushalte interessant geworden ist.
Was ist der XHub?
Der XHub ist ein kleines Steuergerät für den Zählerschrank. Er wird auf die Hutschiene gesetzt – die genormte Metallschiene, auf der auch Sicherungen und Fehlerstromschalter sitzen – und ist etwa so groß wie eine Handfläche: 126 × 100 × 65 Millimeter bei rund 600 Gramm. SolaX bezeichnet ihn als Energiemanagementsystem, kurz EMS, für Privathaushalte.
Seine Aufgabe lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Er misst, wie viel Strom im Haus erzeugt, verbraucht und mit dem Netz ausgetauscht wird, und verteilt daraus Befehle an die angeschlossenen Geräte. Dazu gehören laut Hersteller PV-Anlage, Speicher, Wallboxen, Wärmepumpen und weitere elektrische Verbraucher.
Der Hybrid-Wechselrichter selbst regelt bereits den Grundfluss zwischen Modulen, Batterie und Haus. Der XHub setzt eine Ebene darüber an: Er entscheidet zum Beispiel, ob überschüssiger Solarstrom zuerst ins Auto, in die Wärmepumpe oder in den Speicher fließt – und er ist die Stelle, an der Steuersignale des Netzbetreibers ankommen und umgesetzt werden.

Warum § 14a EnWG Energiemanager wichtiger macht
Seit dem 1. Januar 2024 gelten neue Regeln für sogenannte steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Gemeint sind laut Bundesnetzagentur Geräte mit mehr als 4,2 Kilowatt Anschlussleistung: private Wallboxen, Wärmepumpen, Klimageräte und Stromspeicher (beim Laden aus dem Netz). Werden solche Geräte neu angeschlossen, darf der Netzbetreiber ihren Strombezug bei einer drohenden Überlastung des örtlichen Netzes vorübergehend drosseln. Für ältere Geräte gelten Übergangsregeln.
Wichtig sind dabei drei Punkte:
- Keine vollständige Abschaltung: Eine Mindestleistung von 4,2 kW muss immer verfügbar bleiben.
- Nur der Netzbezug zählt: Selbst erzeugter Solarstrom wird nicht auf die Grenze angerechnet. Scheint die Sonne, darf das Auto also weiter mit PV-Strom laden, auch wenn gerade gedrosselt wird.
- Gegenleistung: Wer mitmacht, zahlt weniger Netzentgelt. Zur Wahl stehen eine pauschale Ermäßigung (Modul 1), ein um 60 Prozent reduzierter Arbeitspreis mit separatem Zähler (Modul 2) und – seit April 2025 und nur zusammen mit Modul 1 – zeitvariable Netzentgelte (Modul 3).
Mehr zu den Netzentgelten und den aktuell diskutierten Änderungen lesen Sie in unserem Beitrag zur Netzentgelt-Reform.
Einzeln steuern oder über ein EMS?
Der Netzbetreiber kann jedes Gerät direkt ansteuern – dann bleiben je Gerät 4,2 kW. Alternativ geht das Signal an ein Energiemanagementsystem, das die erlaubte Gesamtleistung auf alle Geräte verteilt. Für diesen Fall hat die Bundesnetzagentur eine Formel mit einem sogenannten Gleichzeitigkeitsfaktor festgelegt. Er berücksichtigt, dass selten alle Geräte gleichzeitig mit voller Leistung laufen:
Mindestleistung = 4,2 kW + (Anzahl der Geräte − 1) × Gleichzeitigkeitsfaktor × 4,2 kW
Der Faktor beträgt 0,8 bei zwei Geräten und sinkt schrittweise bis 0,45 ab neun Geräten. Ein Haus mit Wärmepumpe und Wallbox behält über ein EMS also mindestens 7,56 kW Netzbezug. Das ist etwas weniger als zweimal 4,2 kW bei Einzelsteuerung – dafür darf das EMS frei entscheiden, wie diese Leistung verteilt wird. Läuft die Wärmepumpe gerade nicht, steht fast alles der Wallbox zur Verfügung. Für große Wärmepumpen und Klimaanlagen über 11 kW gelten gesonderte Regeln mit einem Skalierungsfaktor von 0,4.

Wie das Steuersignal ins Haus kommt
Technisch läuft die Steuerung in der Regel über das intelligente Messsystem: Ein Smart-Meter-Gateway – die gesicherte Kommunikationseinheit des digitalen Zählers – ist mit einer Steuerbox verbunden. Diese gibt das Signal des Netzbetreibers weiter, entweder über einfache Schaltkontakte (Relais) oder digital über das Protokoll EEBUS. Welche Variante vor Ort zum Einsatz kommt, hängt vom jeweiligen Netzbetreiber und vom Ausbaustand ab.
Der XHub kann beide Wege bedienen. Für Schaltkontakte hat er vier digitale Eingänge, für die digitale Variante unterstützt er EEBUS. Diese Funktion steht laut SolaX allerdings nur bei XHub-Geräten zur Verfügung, die ausdrücklich mit dem EEBUS-Kennzeichen ausgeliefert werden – das ist bei der Planung zu beachten.
Kurz erklärt: EEBUS
EEBUS ist ein offener, herstellerübergreifender Kommunikationsstandard für Energiegeräte. Er legt fest, wie etwa Steuerbox, Energiemanager, Wallbox und Wärmepumpe Daten und Befehle austauschen – ähnlich wie ein gemeinsames Vokabular. Für § 14a sind vor allem zwei Anwendungsfälle wichtig: „LPC“ (Limitation of Power Consumption) begrenzt den Strombezug, „LPP“ (Limitation of Power Production) begrenzt die Einspeisung. Der Vorteil gegenüber Schaltkontakten: Statt nur „an/aus“ lassen sich genaue Leistungswerte übermitteln, und die Geräte melden ihre Messwerte zurück.
Im Juli 2026 hat SolaX mitgeteilt, dass der XHub im „Living Lab“ in Köln den Status eines EEBUS-pilotqualifizierten Geräts in der Kategorie Energiemanagementsysteme erreicht hat. Geprüft wurden laut Hersteller die Anwendungsfälle LPC, LPP und die Messdatenübermittlung (MPC). Einordnung: Eine Pilotqualifizierung bestätigt das Zusammenspiel in einer Testumgebung. Ob ein bestimmter Netzbetreiber die Lösung vor Ort akzeptiert, ist davon unabhängig im Einzelfall zu klären.
Technische Kennwerte im Überblick
| Merkmal | SolaX XHub |
|---|---|
| Montage | Hutschiene im Zählerschrank |
| Abmessungen / Gewicht | 126 × 100 × 65 mm / 600 g |
| Versorgung | einphasig oder dreiphasig, 100–240 V, 50/60 Hz |
| Eigenverbrauch | typisch 5 W, maximal 8 W |
| Strommessung | direkt bis unter 80 A, darüber mit externen Stromwandlern |
| Messgenauigkeit Energie | ±1 % |
| Netzwerk / Funk | LAN und Ethernet (10/100 Mbit/s), WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 5.1 |
| Feldbus und Ein-/Ausgänge | 2 × RS485, 4 digitale Eingänge, 4 digitale Ausgänge, 2 analoge Eingänge |
| Protokolle | EEBUS (nur Variante mit Kennzeichen), Modbus, SG-Ready |
| Netzbetreiber-Signale | § 14a EnWG, § 9 EEG, Rundsteuerung, DRM |
| Betriebstemperatur / Schutzart | −20 bis +60 °C / IP20 (Innenraum, Verteiler) |
Angaben laut SolaX-Produktseite und Datenblatt, Stand Oktober 2026.
Einige Begriffe aus der Tabelle kurz erläutert: RS485 ist eine robuste Zweidrahtleitung, über die etwa Wechselrichter und Wallbox mit dem XHub sprechen; Modbus ist das dazugehörige, weit verbreitete Datenprotokoll. SG-Ready („Smart Grid Ready“) ist eine einfache Schnittstelle an vielen Wärmepumpen, über die zwei Schaltkontakte vier Betriebszustände vorgeben – etwa „normal“ oder „verstärkt laufen, weil Solarstrom übrig ist“. § 9 EEG regelt die Steuerbarkeit von PV-Anlagen durch den Netzbetreiber, also die Begrenzung der Einspeisung. DRM (Demand Response Mode) bezeichnet vordefinierte Betriebsmodi, die über Kontakte am Wechselrichter abgerufen werden.
Was der XHub im Alltag macht
Prognosen statt reiner Reaktion
Ein einfacher Überschussregler reagiert nur auf den Moment: Fließt Strom ins Netz, schaltet er einen Verbraucher zu. Der XHub erstellt laut SolaX zusätzlich Prognosen für PV-Erzeugung und Hausverbrauch in 15-Minuten-Schritten. Das hilft etwa bei der Frage, ob der Speicher am Vormittag schon voll geladen werden sollte oder ob mittags ohnehin genug Sonne kommt. Wie gut solche Prognosen im Einzelfall funktionieren, hängt von Standort, Wetterlage und Verbrauchsmustern ab.
Prioritäten festlegen
In der SolaXCloud-App lässt sich eine Reihenfolge der Verbraucher festlegen – zum Beispiel erst Warmwasser über die Wärmepumpe, dann das E-Auto, dann der Speicher. Wie das Überschussladen beim E-Auto im Detail funktioniert, haben wir in unserem Beitrag PV-Überschussladen erklärt.
Dynamische Stromtarife
Wer einen Stromtarif mit stündlich wechselnden Preisen nutzt, kann den XHub nach Preissignalen arbeiten lassen: Speicher und Auto laden bevorzugt in günstigen Stunden. Ob sich ein dynamischer Tarif für Ihren Haushalt lohnt, hängt stark vom Verbrauchsprofil ab und sollte im Einzelfall durchgerechnet werden.
Phasen ausgleichen und Nachrüstung
Laut Hersteller achtet der XHub auf eine ausgeglichene Belastung der drei Phasen des Hausanschlusses. Außerdem lassen sich bestimmte Geräte und Wechselrichter anderer Hersteller einbinden – das kann bei der Nachrüstung einer bestehenden Anlage helfen. Welche Kombinationen konkret funktionieren, muss vorab geprüft werden.
Zusammenspiel mit anderen SolaX-Komponenten
- Hybrid-Wechselrichter (z. B. X3-IES-P, X3-HYB-G4 PRO, X3-ULTRA): liefern Erzeugungs- und Speicherdaten und setzen Lade- und Einspeisebefehle um. Übersicht: SolaX-Wechselrichter.
- Batteriespeicher: werden über den Wechselrichter angesteuert, siehe SolaX-Speicher.
- Smart EV Charger G2 und Binary-Wallbox: laden nach PV-Überschuss oder Preis und lassen sich nach § 14a drosseln.
- Adapter Box G2: Alternative, wenn nur eine SG-Ready-Wärmepumpe nach PV-Überschuss gesteuert werden soll.
- DataHub 1000: für größere Anlagen mit vielen Wechselrichtern, etwa in Mehrfamilienhäusern oder Betrieben.
Alle Geräte erscheinen in derselben App. Weitere Details finden Sie auf unserer Seite Wallbox & Energiemanagement.
Für wen ist der XHub geeignet?
- Haushalte mit mehreren steuerbaren Verbrauchern, etwa Wärmepumpe und Wallbox, die § 14a über ein gemeinsames EMS umsetzen möchten.
- Besitzer einer PV-Anlage mit Speicher, die Überschüsse gezielt verteilen wollen statt sie für eine geringe Vergütung einzuspeisen.
- Nutzer dynamischer Stromtarife, die Laden und Verbrauch nach Preis steuern wollen.
Weniger nötig ist ein separater Energiemanager, wenn im Haus nur eine PV-Anlage mit Speicher und keine weiteren großen Verbraucher arbeiten. Hier übernimmt der Hybrid-Wechselrichter die wichtigsten Aufgaben bereits selbst.
Was bedeutet das für Sie?
Planen Sie eine neue Wallbox oder Wärmepumpe, wird das Gerät in aller Regel als steuerbare Verbrauchseinrichtung beim Netzbetreiber angemeldet. Dann lohnt sich ein Blick auf die Frage, ob die Steuerung direkt am Gerät oder über ein EMS erfolgen soll. Bei mehreren Geräten bietet ein Energiemanager mehr Spielraum, weil er die verfügbare Leistung flexibel verteilen kann – und Solarstrom vom Dach bleibt von einer Drosselung ohnehin unberührt.
Bei Bestandsanlagen ist zu prüfen, welche Signalart Ihr Netzbetreiber verwendet, ob ein intelligentes Messsystem samt Steuerbox schon vorhanden ist und ob im Zählerschrank Platz auf der Hutschiene ist. Welches Netzentgelt-Modul für Sie günstiger ist, hängt von Ihrem Verbrauch und Ihrem Netzgebiet ab – das sollte im Einzelfall geprüft werden.
Sie möchten wissen, wie sich Wallbox, Wärmepumpe und Speicher in Ihrem Haus sinnvoll verbinden lassen? Wir planen das gerne mit Ihnen – hier unverbindlich anfragen.
Quellen
- „§14a EnWG – Steuerbare Verbrauchseinrichtungen“, Bundesnetzagentur, abgerufen am 04.10.2026: bundesnetzagentur.de
- „Integration von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen“, Bundesnetzagentur, abgerufen am 04.10.2026: bundesnetzagentur.de
- „Factsheet § 14a EnWG“, Kompetenzzentrum Energieeffizienz durch Digitalisierung (KEDi) der dena, 05.02.2024: kedi-dena.de (PDF)
- „XHub“, Produktseite, SolaX Power, abgerufen am 04.10.2026: solaxpower.com
- „SolaX XHub“, Blog, SolaX Power, abgerufen am 04.10.2026: solaxpower.com
- „SolaX XHub Becomes First Chinese-Brand HEMS in Living Lab Cologne’s EEBUS Pilot-Qualified EMS Category“, SolaX Power, 01.07.2026: solaxpower.com
- „Mit SolaX auf Deutschlands Energiezukunft vorbereitet sein: Sicherstellung der Einhaltung von EnWG §14a“, SolaX Power, 09.07.2025: de.solaxpower.com
