Stromsteuer runter für alle? Was das für PV-Besitzer bedeutet

Schematische Grafik: Haus mit Solarmodulen auf dem Dach, daneben Sonne und ein Pfeil nach unten als Symbol für sinkende Stromkosten

Bundeskanzler Friedrich Merz will die Stromsteuer für alle Verbraucher auf das europäische Minimum senken – also auch für private Haushalte. Für Hausbesitzer klingt das nach einer guten Nachricht. Doch wie viel bringt die Senkung tatsächlich, wann kommt sie, und was ändert sich für alle, die bereits Solarstrom vom eigenen Dach nutzen?

Was wurde angekündigt?

Nach einer Klausur des CDU-Präsidiums erklärte Merz am Montag, 12. Oktober 2026, die Union wolle sich in der Regierung dafür einsetzen, die Stromsteuer für alle auf den EU-Mindestsatz zu senken. Finanziert werden soll das aus zusätzlichen Spielräumen im Bundeshaushalt, wenn das Wirtschaftswachstum anhält.

Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich bisher um eine politische Ankündigung, nicht um einen Beschluss. Es gibt weder einen Gesetzentwurf der Regierung noch einen Termin. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat nach Medienberichten nichts gegen das Ziel, bezweifelt aber, dass sich eine dauerhafte Senkung allein aus Wachstum bezahlen lässt. Das Finanzministerium beziffert die Kosten laut Berichten auf rund 5,4 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Idee ist nicht neu. Schon der Koalitionsvertrag von Union und SPD aus dem Frühjahr 2025 sah die Senkung „für alle“ vor. Umgesetzt wurde sie zum 1. Januar 2026 aber nur für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft. Ein Gesetzentwurf der Grünen-Fraktion mit demselben Ziel wurde im April 2026 erstmals im Bundestag beraten.

Zeitstrahl zur Stromsteuer: Koalitionsvertrag Frühjahr 2025, Kabinettsbeschluss September 2025, Senkung für das produzierende Gewerbe ab 1. Januar 2026, Ankündigung von Merz am 12. Oktober 2026, Umsetzung für Haushalte offen
Für private Haushalte ist die Stromsteuersenkung bisher nur angekündigt. Grafik: PVPOWER.ME

Kurz erklärt: Stromsteuer

Die Stromsteuer ist eine Verbrauchsteuer des Bundes auf jede Kilowattstunde (kWh), die aus dem Netz bezogen wird. Für Haushalte beträgt sie heute 2,05 Cent pro kWh. Darauf kommen noch 19 % Mehrwertsteuer, sodass sie im Endpreis mit rund 2,44 Cent zu Buche schlägt. Die EU-Energiesteuerrichtlinie schreibt Mindestsätze vor: 0,1 Cent pro kWh für private und 0,05 Cent für betriebliche Nutzung. Weiter nach unten darf Deutschland also nicht gehen.

Wie viel würde ein Haushalt sparen?

Sinkt die Steuer von 2,05 auf 0,1 Cent pro kWh, sind das 1,95 Cent weniger. Mit Mehrwertsteuer ergibt sich eine Entlastung von rund 2,32 Cent pro kWh, vorausgesetzt, die Stromversorger geben sie vollständig weiter. Das Vergleichsportal Verivox hat den durchschnittlichen Haushaltsstrompreis im Oktober 2026 mit 34,36 Cent pro kWh berechnet. Nach der Senkung wären es rechnerisch 32,04 Cent, also knapp 7 % weniger.

Für einen Drei-Personen-Haushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch macht das laut Verivox etwa 93 Euro im Jahr aus. Entscheidend ist dabei ein Punkt, der in vielen Meldungen untergeht: Die Steuer fällt nur auf Strom an, der aus dem Netz kommt.

Warum Solarstrom vom eigenen Dach ohnehin steuerfrei ist

Wer eine PV-Anlage betreibt und den Strom selbst im Haus verbraucht, zahlt darauf schon heute keine Stromsteuer. Das Stromsteuergesetz (§ 9 Abs. 1 Nr. 3) befreit Strom aus erneuerbaren Anlagen bis 2 Megawatt, den der Betreiber im räumlichen Zusammenhang zur Anlage selbst verbraucht. Eine typische Dachanlage auf dem Einfamilienhaus fällt darunter.

Daraus folgt zweierlei:

  • Die Ersparnis ist kleiner: Wer viel Strom selbst erzeugt, bezieht weniger aus dem Netz und profitiert entsprechend weniger von der Senkung.
  • Der Vorteil des Eigenverbrauchs schrumpft etwas: Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ersetzt eine gekaufte. Wird der Netzstrom um 2,32 Cent billiger, spart jede selbst genutzte Kilowattstunde entsprechend weniger. Bei 3.000 kWh Eigenverbrauch im Jahr sind das rechnerisch rund 70 Euro weniger Ersparnis gegenüber heute.
Balkendiagramm: Jährliche Ersparnis durch eine Stromsteuersenkung um 2,32 ct/kWh brutto – Haushalt ohne PV ca. 93 Euro, mit PV und Speicher ca. 37 Euro, Haushalt mit Wärmepumpe und E-Auto ohne PV ca. 232 Euro, mit PV und Speicher ca. 116 Euro
Beispielrechnung mit angenommenen Netzbezugsmengen: Je weniger Strom aus dem Netz kommt, desto kleiner die Ersparnis. Grafik: PVPOWER.ME

Die Beispielrechnung zeigt die Größenordnungen. Die Mengen sind angenommene, typische Werte und keine Prognose für Ihren Haushalt:

Haushalt (Beispiel)Netzbezug pro JahrErsparnis pro Jahr*
Ohne PV, 4.000 kWh Verbrauch4.000 kWhca. 93 €
Mit PV und Speicher, 4.000 kWh Verbrauch1.600 kWhca. 37 €
Mit Wärmepumpe und E-Auto, ohne PV10.000 kWhca. 232 €
Mit Wärmepumpe, E-Auto, PV und Speicher5.000 kWhca. 116 €

* 2,32 ct/kWh brutto, vollständige Weitergabe durch den Versorger angenommen.

Wer am meisten profitiert

Am stärksten entlastet würden Haushalte mit hohem Netzbezug, also vor allem Häuser mit Wärmepumpe oder E-Auto. Gerade die Wärmepumpe braucht im Winter viel Strom, wenn die PV-Anlage wenig liefert. Auch Verbände wie der BDEW argumentieren, dass niedrigere Strompreise Wärmepumpen und Elektroautos attraktiver machen. Für PV-Besitzer heißt das: Den Winterstrom für die Heizung bezahlen sie günstiger, auch wenn sich die Rechnung für den Sommer kaum ändert.

Was bedeutet das für Sie?

  • Noch nicht einplanen: Solange es keinen Gesetzentwurf und keinen Termin gibt, sollten Sie mit der Senkung nicht fest rechnen.
  • Kein Grund, eine PV-Planung zu verschieben: Der Abstand zwischen Netzstrompreis und Kosten des eigenen Solarstroms würde nur um wenige Cent kleiner. Selbst erzeugter Strom bleibt steuerfrei. Wie sich das im Einzelfall rechnet, hängt von Verbrauch, Dachfläche und Anlagengröße ab und sollte individuell geprüft werden.
  • Eigenverbrauch bleibt der Hebel: Ein Batteriespeicher und das Laden des E-Autos mit PV-Überschuss senken den Netzbezug weiterhin am stärksten.
  • Das Gesamtbild beachten: Neben der Stromsteuer verändern auch die Reform der Netzentgelte und die laufende EEG-Novelle die Rahmenbedingungen. Wir berichten, sobald es Beschlüsse gibt.

Sie möchten wissen, wie viel Netzstrom Ihr Haushalt mit PV und Speicher einsparen könnte? PVPOWER.ME erstellt Ihnen gern eine individuelle Auslegung.

Quellen

  • „Stromsteuersenkung für Haushalte: Drei Milliarden Euro Entlastung“, Solarserver, 13.10.2026: solarserver.de
  • „Merz will Stromsteuer auch für Privathaushalte deutlich senken“, ms-aktuell, 12.10.2026: ms-aktuell.de
  • „Merz und Union wollen Stromsteuer senken“, t-online, 12./13.10.2026: t-online.de
  • „Klingbeil zweifelt an Finanzierung“, Focus, 12.10.2026: focusplus.de
  • Gesetzentwurf zur Senkung der Stromsteuer (Drucksache 21/5320), Deutscher Bundestag, hib 295/2026, 15.04.2026: bundestag.de
  • Stromsteuergesetz, § 9 Steuerbefreiungen: gesetze.legal
  • „Die Stromsteuerreform 2025 und ihre Folgen für § 9b StromStG“, Forvis Mazars, 2025 (Steuersätze und EU-Mindestsätze): forvismazars.com
  • „Senkung von Stromsteuer und Netzentgelten auf dem Weg“, NWB Experten-Blog, 16.09.2025: nwb-experten-blog.de