Batteriespeicher gegen Preisspitzen: Was Fraunhofers Simulator zeigt

Stilisierte Sonne über einer gezackten und einer geglätteten Preiskurve, darunter ein Batteriesymbol

Mittags fällt der Strompreis an der Börse oft unter null, abends schießt er nach oben. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat jetzt ein frei zugängliches Werkzeug veröffentlicht, mit dem jeder nachrechnen kann, wie stark zusätzliche Batteriespeicher diese Achterbahn glätten würden. Wir haben uns die Ergebnisse angesehen und ordnen ein, was sie für Besitzer einer Photovoltaikanlage bedeuten – und was nicht.

Was das Fraunhofer ISE vorgestellt hat

Am 1. Oktober 2026 hat das Fraunhofer ISE auf seiner Datenplattform Energy-Charts einen sogenannten Preissimulator freigeschaltet. Er beantwortet eine einfache Frage: Wie hätten sich die Strompreise entwickelt, wenn es mehr Batteriespeicher am Markt gegeben hätte?

Grundlage sind keine geschätzten Kurven, sondern die tatsächlichen Kauf- und Verkaufsgebote aus der täglichen Day-Ahead-Auktion der Strombörse EPEX Spot. In diese realen Gebotskurven setzt das Modell eine virtuelle Speicherflotte ein, die bei niedrigen Preisen Strom kauft und bei hohen Preisen wieder verkauft. Anschließend wird der Preis neu berechnet – in Viertelstunden-Auflösung und täglich aktualisiert. Die Daten reichen zurück bis Anfang 2025.

Kurz erklärt: Day-Ahead-Markt

Am Day-Ahead-Markt wird Strom für den Folgetag gehandelt. Erzeuger und Händler geben bis zum Mittag Gebote ab, wie viel Strom sie zu welchem Preis liefern oder abnehmen wollen. Für jede Viertelstunde des nächsten Tages ergibt sich daraus ein Preis: dort, wo sich Angebots- und Nachfragekurve schneiden. Weil viel Solarstrom mittags zu sehr niedrigen Kosten angeboten wird, rutscht der Preis an sonnigen Tagen ab – manchmal bis unter null. Ein negativer Strompreis heißt: Wer einspeist, muss dafür bezahlen, wer abnimmt, bekommt Geld.

Welche Stellschrauben das Modell hat

Nutzerinnen und Nutzer können die zusätzliche Speicherleistung zwischen 0 und 20 Gigawatt (GW) wählen und eine Speicherdauer von zwei bis sechs Stunden einstellen. Die Speicherdauer beschreibt, wie lange ein Speicher mit voller Leistung entladen kann: 20 GW mit zwei Stunden entsprechen also 40 Gigawattstunden (GWh) Speicherinhalt.

Laut Fraunhofer ISE rechnet das Modell mit einem Wirkungsgrad von 86 Prozent – von 100 eingespeicherten Kilowattstunden kommen also 86 wieder heraus – und berücksichtigt Alterungskosten der Batterien pro gespeicherter Megawattstunde. Wahlweise lassen sich sogenannte Blockgebote von Kraftwerken einbeziehen, die nur über mehrere Stunden am Stück laufen wollen, sowie der Stromhandel mit Nachbarländern.

Die Ergebnisse für 2025

Für das gesamte Jahr 2025 haben Fachmedien eine Beispielrechnung mit 20 GW zusätzlicher Leistung und zwei Stunden Speicherdauer veröffentlicht. Die wichtigsten Zahlen:

Vier Balkendiagramme: Preisspanne pro Tag 130 zu 53 Euro je MWh, negative Stunden 575 zu 271, Stunden über 200 Euro 169 zu 20, Marktwert Solarstrom 45,08 zu 61,02 Euro je MWh
Simulationsergebnisse für 2025 mit 20 GW zusätzlicher Speicherleistung. Daten: Fraunhofer ISE / Energy-Charts, Grafik: PVPOWER.ME
Kennzahl (Jahr 2025)TatsächlichMit +20 GW / 40 GWh Speicher
Mittlere Preisspanne pro Tag130 €/MWh53 €/MWh
Stunden mit negativem Preis575271
Stunden über 200 €/MWh16920
Höchster Preis des Jahres583 €/MWh221 €/MWh
Marktwert Solarstrom45,08 €/MWh61,02 €/MWh
Mittlerer Jahrespreis89,32 €/MWh89,44 €/MWh

Zur Einordnung: 1 €/MWh entspricht 0,1 Cent pro Kilowattstunde. Die tägliche Preisspanne zwischen billigster und teuerster Stunde würde also im Mittel von 13 auf gut 5 Cent pro Kilowattstunde schrumpfen. Als Beispieltag nennt das Modell den 11. Mai 2025: Der tiefste Preis hätte statt bei −250 nur bei −20 €/MWh gelegen.

Warum der Marktwert von Solarstrom steigt

Der „Marktwert Solar“ ist der durchschnittliche Börsenpreis, den Solarstrom tatsächlich erzielt – gewichtet nach den Stunden, in denen er erzeugt wird. Weil fast alle Solaranlagen gleichzeitig mittags produzieren, drücken sie genau dann den Preis. Fachleute sprechen vom Kannibalisierungseffekt: Je mehr Photovoltaik am Netz ist, desto weniger ist die einzelne Kilowattstunde zur Mittagszeit wert.

Speicher durchbrechen diesen Effekt, weil sie mittags als zusätzliche Käufer auftreten. Die Nachfrage steigt, der Preis rutscht weniger tief. Im Modell steigt der Marktwert dadurch um rund 35 Prozent. Nach Berichten über die Vorstellung des Tools könnte das die staatlichen Ausgaben für die EEG-Förderung, die die Differenz zwischen Marktwert und garantierter Vergütung ausgleicht, um bis zu 1,2 Milliarden Euro im Jahr entlasten.

Schematischer Tagesverlauf des Börsenstrompreises mit und ohne Speicher: Mittagstief wird angehoben, Abendspitze gekappt
Schematische Darstellung: Speicher laden im Mittagstief und entladen zur Abendspitze. Grafik: PVPOWER.ME

Wichtig: eine Was-wäre-wenn-Rechnung, keine Prognose

Das Fraunhofer ISE betont selbst, dass es sich um eine nachträgliche Simulation handelt. Leonhard Gandhi, Projektleiter von Energy-Charts, beschreibt sie als „Was wäre wenn“-Rechnung, nicht als Vorhersage. Einige Grenzen sollte man kennen:

  • Betrachtet wird nur die Day-Ahead-Auktion. Der kurzfristige Intraday-Handel, Regelenergie und andere Systemdienstleistungen fehlen.
  • Lokale Netzengpässe und konkrete Speicherstandorte bildet das Modell nicht ab.
  • Die Speicher handeln mit Wissen über die Preise der gesamten Woche – in der Realität kennt niemand die Zukunft so genau.
  • Mehrtägige Phasen ohne Wind und Sonne (Dunkelflauten) können Batteriespeicher mit wenigen Stunden Speicherdauer nicht überbrücken.

Auch die Größenordnung lohnt einen Blick: Laut den Battery Charts der RWTH Aachen waren Ende März 2026 in Deutschland rund 27,8 GWh Batteriespeicher installiert, verteilt auf etwa 2,5 Millionen Systeme – der Großteil davon Heimspeicher. Die simulierten 40 GWh kämen zusätzlich und müssten zudem vollständig am Strommarkt agieren. Genau das tun die meisten Heimspeicher heute nicht: Sie laden, wenn das eigene Dach Überschuss liefert, unabhängig vom Börsenpreis.

Was bedeutet das für Sie?

Für Hausbesitzer mit PV-Anlage wirkt die Entwicklung eher indirekt, aber in mehreren Punkten:

  • Weniger Stunden ohne Vergütung: Für Anlagen, die seit dem Solarspitzengesetz (in Kraft seit 25. Februar 2025) in Betrieb gegangen sind, gibt es in Zeiten negativer Börsenpreise keine Einspeisevergütung; die ausgefallenen Zeiten werden am Ende des Förderzeitraums angehängt. Je weniger negative Stunden es gibt, desto weniger betrifft Sie diese Regel.
  • Eigenverbrauch bleibt der Kern: Die feste Einspeisevergütung kleiner Dachanlagen hängt nicht direkt vom Marktwert ab. Wirtschaftlich zählt für die meisten Haushalte weiterhin vor allem, wie viel Solarstrom sie selbst nutzen.
  • Dynamische Tarife: Wer einen Stromtarif mit stündlich wechselnden Preisen nutzt, profitiert von großen Preisunterschieden. Werden die Spannen durch mehr Großspeicher kleiner, sinkt auch der Vorteil des gezielten Ladens zu Billigzeiten. Eine Garantie für bestimmte Ersparnisse gibt es nicht – das sollte im Einzelfall geprüft werden.
  • Der Heimspeicher bleibt sinnvoll: Er verschiebt Ihren eigenen Solarstrom vom Mittag in den Abend – das ist im Kleinen genau das, was die simulierte Speicherflotte im Großen tut. Neue Regeln wie MiSpeL sollen Heimspeichern künftig auch den Weg an den Markt ebnen. Warum ein netzdienlicher Ladebeginn hilft, haben wir in unserem Beitrag „Warum Heimspeicher mittags oft schon voll sind“ erklärt.

Wer neugierig ist, kann den Simulator selbst ausprobieren: Er ist auf Energy-Charts frei zugänglich, ohne Anmeldung.

Fazit

Die Fraunhofer-Simulation zeigt anschaulich, welches Potenzial Batteriespeicher für den Strommarkt haben: weniger extreme Preisspitzen, deutlich weniger negative Preise und ein höherer Wert für Solarstrom – bei nahezu unverändertem Durchschnittspreis. Sie ist allerdings ein Gedankenexperiment unter idealen Bedingungen. Wie schnell der reale Speicherausbau kommt und wie gut Speicher netz- und marktdienlich gesteuert werden, entscheidet am Ende darüber, wie viel davon tatsächlich eintritt.

Wenn Sie wissen möchten, welcher Speicher zu Ihrer Anlage und Ihrem Verbrauch passt, finden Sie auf unserer Seite zu den SolaX-Batteriespeichern einen Überblick – oder Sie fordern ein unverbindliches Angebot an.

Quellen

  • „Energy-Charts“ Data Platform Launches Price Simulator, Fraunhofer ISE, Presseinformation, 01.10.2026: ise.fraunhofer.de
  • Preissimulator Day-Ahead-Markt, Energy-Charts / Fraunhofer ISE: energy-charts.info
  • Fraunhofer ISE startet Simulator für den Einfluss von Batteriespeichern auf die Strompreise, pv magazine Deutschland, 01.10.2026: pv-magazine.de
  • Fraunhofer ISE: Preissimulator zeigt Einfluss von Batteriespeichern, Solarserver, 01.10.2026: solarserver.de
  • Fraunhofer simuliert Strompreise mit Batteriespeichern, ZfK – Zeitung für kommunale Wirtschaft, 10/2026: zfk.de
  • Batterie-Rekordzubau von über 2 Gigawattstunden im 1. Quartal 2026 (Battery Charts, ISEA RWTH Aachen), pv magazine Deutschland, 08.05.2026: pv-magazine.de