Warum altern Akkus – und wie lange hält ein Heimspeicher?

Fünf stilisierte Akkusymbole mit von links nach rechts sinkendem gelbem Füllstand als Sinnbild für die Alterung eines Batteriespeichers

Ein Batteriespeicher soll viele Jahre lang Solarstrom vom Mittag in den Abend verschieben. Doch jeder Akku verliert mit der Zeit an Kapazität – auch dann, wenn er kaum benutzt wird. Wir erklären, was dabei in der Zelle passiert, wie schnell Heimspeicher in der Praxis altern und was Sie selbst für eine lange Lebensdauer tun können.

Alterung ist kein Defekt, sondern Chemie

In einem Lithium-Ionen-Akku wandern beim Laden positiv geladene Lithium-Ionen vom Pluspol durch eine Flüssigkeit, den Elektrolyten, zum Minuspol und lagern sich dort zwischen die Schichten aus Graphit ein. Beim Entladen wandern sie zurück. Getrennt werden beide Pole durch eine hauchdünne, poröse Folie, den Separator. Wie viel Energie der Akku speichern kann, hängt vor allem davon ab, wie viel „bewegliches“ Lithium für diesen Pendelverkehr zur Verfügung steht.

Genau dieses Lithium-Inventar schrumpft im Lauf der Jahre. Ein Teil wird durch Nebenreaktionen dauerhaft gebunden, außerdem können die Elektrodenmaterialien selbst Schaden nehmen. Fachleute sprechen von drei Hauptmechanismen, die in Alterungsmodellen der Batterieforschung immer wieder auftauchen: das Wachstum der SEI-Schicht, das sogenannte Lithium-Plating und der Verlust von Aktivmaterial an den Elektroden.

Schema einer Lithium-Ionen-Zelle: links Graphit-Minuspol mit gelber SEI-Schicht, in der Lithium gebunden ist, Mitte Separator, rechts LFP-Pluspol; Lithium-Ionen wandern beim Laden zum Minuspol
Vereinfachtes Schema: Die SEI-Schicht auf dem Graphit wächst langsam und bindet dabei Lithium, das dann für das Speichern fehlt. (Grafik: PVPOWER.ME)

Kurz erklärt: SEI-Schicht

SEI steht für „Solid Electrolyte Interphase“, auf Deutsch etwa „feste Grenzschicht zum Elektrolyten“. Sie bildet sich schon bei den ersten Ladevorgängen in der Fabrik auf der Oberfläche des Graphits. Diese dünne Schicht ist eigentlich erwünscht: Sie lässt Lithium-Ionen durch, schützt den Elektrolyten aber vor weiterer Zersetzung. Ganz dicht ist sie allerdings nie. Über die Jahre wächst sie langsam weiter und bindet dabei Lithium, das danach nicht mehr zum Speichern zur Verfügung steht. Das ist der wichtigste Grund, warum ein Akku auch ohne Benutzung altert.

Lithium-Plating: wenn Laden zu schnell oder zu kalt geschieht

Wird ein Akku bei Kälte oder mit sehr hohem Strom geladen, können sich die Lithium-Ionen nicht schnell genug zwischen die Graphitschichten einlagern. Stattdessen scheiden sie sich als metallisches Lithium auf der Oberfläche ab – ähnlich wie Raureif auf einer kalten Scheibe. Dieses Lithium ist teilweise für immer verloren. Deshalb begrenzt das Batteriemanagementsystem (BMS), also die Steuerelektronik im Speicher, bei niedrigen Temperaturen den Ladestrom oder heizt die Zellen zunächst vor.

Verlust von Aktivmaterial

Die Elektrodenmaterialien dehnen sich beim Ein- und Auslagern des Lithiums minimal aus und ziehen sich wieder zusammen. Über Tausende Zyklen können dabei feine Risse entstehen, Partikel verlieren den elektrischen Kontakt, und die SEI muss an frischen Bruchflächen neu wachsen. Dieser mechanische Verschleiß hängt vor allem davon ab, wie oft und wie tief der Akku geladen und entladen wird.

Kalendarisch und zyklisch: zwei Uhren, die gleichzeitig ticken

Batterieforscher unterscheiden zwei Arten der Alterung, die sich im Alltag überlagern:

  • Kalendarische Alterung läuft einfach mit der Zeit ab – auch wenn der Akku nur herumsteht. Treiber sind vor allem die Temperatur und der Ladezustand, bei dem der Akku die meiste Zeit verbringt.
  • Zyklische Alterung entsteht durch die Nutzung: durch die Zahl der Lade- und Entladevorgänge, deren Tiefe und die Höhe der Ströme.

Für Heimspeicher ist die kalendarische Alterung besonders wichtig. Anders als ein E-Auto-Akku wird ein Heimspeicher meist nur mit moderaten Strömen geladen, verbringt aber – gerade im Sommer – viele Stunden am Tag vollgeladen.

Warum „dauerhaft voll“ dem Akku schadet

Wie stark der Ladezustand wirkt, hat die Forschungsgruppe um Jeff Dahn an der Dalhousie University (Kanada) für Lithium-Eisenphosphat-Zellen untersucht, kurz LFP – die Zellchemie, die heute in den meisten Heimspeichern steckt. Die Ergebnisse erschienen 2024 im begutachteten Journal of The Electrochemical Society. Die Forschenden ließen Zellen in verschiedenen Ladefenstern arbeiten, etwa zwischen 0 und 25 %, 0 und 100 % oder 75 und 100 %. Um die Alterung in vertretbarer Zeit messbar zu machen, liefen die Versuche bei erhöhten Temperaturen von 40 und 55 °C.

Das Ergebnis: Entscheidend war weniger, wie tief die Zellen entladen wurden, sondern der durchschnittliche Ladezustand. Je höher er lag, desto schneller schwand die Kapazität. Der Grund liegt in der Chemie: Vollgeladener, also stark mit Lithium gefüllter Graphit reagiert stärker mit dem Elektrolyten. Dabei entstehen Verbindungen, die zusätzlich Eisen aus dem Pluspol lösen können; dieses lagert sich am Minuspol ab und beschleunigt den Lithiumverlust weiter. Das Fenster zwischen 75 und 100 % bezeichneten die Autoren als schädlich für LFP-Zellen. Gleichzeitig betonen sie, dass es unrealistisch wäre, Akkus nur im unteren Viertel zu betreiben – dann bliebe der größte Teil der Kapazität ungenutzt.

Wärme beschleunigt fast alles

Chemische Nebenreaktionen laufen bei höherer Temperatur schneller ab – das gilt auch für das SEI-Wachstum. Ein Speicher, der im Sommer in einem heißen Dachboden steht, altert daher schneller als einer im kühlen Keller. Kälte wiederum ist vor allem beim Laden heikel (Stichwort Lithium-Plating). Ideal sind gemäßigte Temperaturen, wie sie in einem frostfreien Hauswirtschaftsraum oder einer gut belüfteten Garage herrschen.

Wie schnell altern Heimspeicher in der Praxis?

Laborversuche zeigen Mechanismen, sagen aber wenig über den Alltag. Umso wertvoller ist eine Langzeitstudie der RWTH Aachen, die 2024 im Fachjournal Nature Energy erschienen ist (peer-reviewed). Das Team um Jan Figgener und Dirk Uwe Sauer hat 21 private Heimspeicher in Deutschland von 2015 bis 2022 sekündlich vermessen – zusammen 106 Betriebsjahre und rund 14 Milliarden Datenpunkte. Untersucht wurden Systeme mit LFP-, NMC- und gemischten Zellchemien.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Im Mittel verloren die Speicher etwa 2 bis 3 Prozentpunkte nutzbarer Kapazität pro Jahr.
  • Die meisten Systeme erfüllten ihre Garantiezusagen – auch weil die Hersteller eine Kapazitätsreserve eingebaut hatten.
  • Einzelne Systeme alterten deutlich schneller und fielen schon nach 5 bis 7 Jahren auf 80 % ihrer Nennkapazität.
  • Die Alterung erwies sich als stark zellspezifisch. Die Forschenden warnen daher davor, die Werte pauschal auf neue Produkte zu übertragen.

Bemerkenswert ist: Die untersuchten Geräte stammen aus der ersten Generation von Heimspeichern. Zellchemie, Batteriemanagement und Temperaturführung haben sich seitdem weiterentwickelt.

Liniendiagramm: nutzbare Kapazität eines Heimspeichers über 15 Betriebsjahre, gelbes Band für 2 bis 3 Prozentpunkte Verlust pro Jahr, Garantiegrenze 70 Prozent nach 10 Jahren, gestrichelte Linie für einen Ausreißer
Schematische Darstellung: Bei 2 bis 3 Prozentpunkten Verlust pro Jahr läge ein Speicher nach zehn Jahren bei etwa 70 bis 80 % seiner Startkapazität. Reale Verläufe sind nicht exakt linear. (Grafik: PVPOWER.ME, Werte nach Figgener et al., Nature Energy 2024)

Was der „State of Health“ aussagt

Den Alterungszustand eines Akkus beschreibt der State of Health (SoH): das Verhältnis der aktuell nutzbaren Kapazität zur Kapazität im Neuzustand. Ein SoH von 80 % bedeutet, dass ein ehemals 10-kWh-Speicher nur noch etwa 8 kWh aufnehmen kann. Wichtig: Der Speicher ist dann nicht „kaputt“ – er speichert lediglich weniger. Für viele Haushalte bleibt er auch mit 70 % Restkapazität noch sinnvoll nutzbar.

Die wichtigsten Einflussfaktoren im Überblick

FaktorWas er bewirktWas hilft
TemperaturHitze beschleunigt Nebenreaktionen und SEI-Wachstum; Kälte erhöht beim Laden das Risiko von Lithium-PlatingAufstellort mit gemäßigten Temperaturen, keine pralle Sonne; Zellheizung und BMS-Regelung bei Frost
LadezustandEin dauerhaft hoher Ladezustand beschleunigt die kalendarische AlterungDen Speicher nicht unnötig lange voll stehen lassen, z. B. durch prognosebasiertes Laden
Lade- und EntladestromHohe Ströme erwärmen die Zellen und belasten die ElektrodenSpeicher passend zur Wechselrichter- und Verbrauchsleistung auslegen
Zyklenzahl und EntladetiefeJeder Zyklus verursacht etwas mechanischen VerschleißSpeichergröße zum Verbrauch passend wählen; Zellen mit hoher Zyklenfestigkeit
ZellchemieLFP gilt als besonders zyklenfest und thermisch stabilBei Heimspeichern ist LFP heute Standard

Wie lange hält also ein Heimspeicher?

Eine exakte Jahreszahl lässt sich nicht nennen – zu sehr hängen die Werte vom Produkt, vom Aufstellort und vom Nutzungsprofil ab. Zwei Größen helfen aber bei der Einordnung:

  • Zyklenfestigkeit: Moderne LFP-Speicher sind für mehrere Tausend Vollzyklen ausgelegt. Die Hochvolt-Speicher von SolaX, die wir einsetzen, sind laut Hersteller für über 6.000 Zyklen spezifiziert. Selbst bei einem Vollzyklus pro Tag wären das rechnerisch mehr als 16 Jahre. In unseren Breiten wird ein Speicher im Winter zudem oft gar nicht voll, die tatsächliche Zahl der Vollzyklen pro Jahr liegt daher meist niedriger.
  • Garantie: Für die SolaX-Heimspeicher gilt eine Herstellergarantie von 10 Jahren mit mindestens 70 % Restkapazität (bzw. bis zu einem festgelegten Energiedurchsatz je Modul, gemäß den Garantiebedingungen). Das deckt sich gut mit dem Bereich, den die RWTH-Felddaten erwarten lassen.

Oft begrenzt am Ende also eher die kalendarische Alterung die Lebensdauer als die Zahl der Zyklen. Realistisch ist, dass ein gut ausgelegter Speicher deutlich länger als zehn Jahre im Einsatz bleibt – mit langsam sinkender Kapazität.

Eingebaute Schutzmechanismen

Viele Alterungsursachen werden bereits vom System selbst abgefedert. Ein Beispiel: Bei den SolaX-Speichern sind etwa 90 % der Nennkapazität nutzbar. Die äußersten Bereiche ganz oben und ganz unten, in denen die Zellen am stärksten belastet würden, bleiben so ausgespart. Das BMS überwacht Spannung und Temperatur jeder Zelle, und eine eingebaute Heizung erlaubt Laden und Entladen auch bei Frost bis −30 °C, ohne die Zellen kalt zu laden. Mehr dazu finden Sie auf unserer Seite zu den SolaX-Batteriespeichern.

Was bedeutet das für Sie?

  • Aufstellort bewusst wählen: Kühl, trocken und frostgeschützt ist ideal. Ein heißer Dachboden ist für jeden Akku eine Belastung.
  • Nicht überdimensionieren: Ein zu großer Speicher wird selten voll genutzt, altert aber kalendarisch trotzdem. Als Faustregel gilt etwa 1 kWh Speicher je 1.000 kWh Jahresverbrauch – mit Wärmepumpe oder E-Auto eher mehr. Entscheidend ist Ihr persönliches Lastprofil.
  • Intelligent laden: Wenn der Speicher nicht schon am Vormittag voll ist, sondern erst im Lauf des Nachmittags, verbringt er weniger Zeit im belastenden Bereich nahe 100 %. Warum Heimspeicher mittags oft schon voll sind und was eine prognosebasierte Steuerung bringt, haben wir in diesem Beitrag erklärt.
  • Nicht ängstlich werden: Den Speicher künstlich klein zu halten, nur um Alterung zu vermeiden, verschenkt Nutzen. Die Forschung zeigt: Ein normal betriebener Heimspeicher altert langsam und berechenbar.
  • Zustand im Blick behalten: Über das Monitoring lassen sich Ladeverhalten und Leistung verfolgen. Fallen Ihnen deutliche Veränderungen auf, lohnt eine fachliche Prüfung – Garantiefragen sind im Einzelfall anhand der Herstellerbedingungen zu klären.

Und die Zukunft? Neue Zellkonzepte wie Natrium-Ionen-Akkus oder Festkörperbatterien versprechen weitere Fortschritte. Für heutige Heimspeicher bleibt LFP aber die bewährte Wahl.

Sie möchten wissen, welche Speichergröße und welcher Aufstellort zu Ihrem Haus passen? Wir beraten Sie gern – hier können Sie ein unverbindliches Angebot anfordern.

Quellen

  • Figgener, J. et al.: „Multi-year field measurements of home storage systems and their use in capacity estimation“, Nature Energy, RWTH Aachen, 2024 (peer-reviewed), DOI: 10.1038/s41560-024-01620-9; Datensatz: Zenodo
  • „Most home battery storage systems meet warranty claims, new research finds“, ESS News, 18.09.2024, ess-news.com
  • „Most home battery storage systems meet warranty claims, new research finds“, pv magazine international, 19.09.2024, pv-magazine.com
  • „How the Operating Window of LFP/Graphite cells affects their lifetime“, Webinar-Ankündigung zur Arbeit der Dahn-Gruppe, Dalhousie University, The Electrochemical Society, 07.01.2025, electrochem.org
  • „Research project finds continuous high charge levels damage LFP cells“, electrive, 27.08.2024 (zur Studie im Journal of The Electrochemical Society), electrive.com
  • Madabattula, G.: „Linking Calendar and Cycle Ageing in Lithium-Ion Batteries …“, arXiv-Preprint (nicht begutachtet), 10.04.2026, arxiv.org
  • SolaX-Batteriespeicher: Kennwerte und Garantiebedingungen, PVPOWER.ME, pvpower.me/solax-batteriespeicher